Schultafel darauf steht Knigge

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Knigge – ungeschriebene Gesetze

29.05.2019

Adolph Freiherr von Knigge (1752-1796) ist heute mehr denn je aktuell. So gibt es in nahezu allen Lebensbereichen Verhaltensregeln, die den Umgang miteinander zivilisierter und konfliktfreier gestalten sollen, wie z.B. bei Tisch, in der Kommunikation, in der Gesellschaft, bei Kleidung, bei festlichen Anlässen, im Geschäftsleben etc.

Man spricht auch vom Sauna-Knigge, Handy-Knigge, Fahrstuhl-Knigge, Flugzeug-Knigge, Auslands-Knigge, um nur wenige Beispiele zu nennen. Freiherr von Knigges Buch „Über den Umgang mit Menschen“, welches 1788 erschien, war schon zu seinen Lebzeiten ein Erfolg.

Im Gegensatz zur heutigen landläufigen Meinung handelt es sich bei dem Buch keineswegs um ein Benimmbuch mit Ratschlägen zu einzelnen Verhaltensweisen, es ist vielmehr eine einsichtsreiche und eine von den Idealen der Aufklärung geprägte Sammlung von „Umgangsregeln“. Freiherr von Knigge beschreibt diese wie folgt: „Wenn die Regeln des Umgangs nicht bloß Vorschriften einer konventionellen Höflichkeit oder gar einer gefährlichen Politik sein sollen, so müssen sie auf die Lehren von den Pflichten gegründet sein, die wir allen Arten von Menschen schuldig sind, und wiederum von ihnen fordern können. – Das heißt: Ein System dessen Grundpfeiler Moral und Weltklugheit sind, muss dabei zum Grunde liegen“ (A. Freiherr v. Knigge „Über den Umgang mit Menschen“, Neudruck der 5. Aufl. 2002, S. 444). Ziel des Buches war es, in der Welt und in der Gesellschaft mit anderen Menschen glücklich und vergnügt zu leben und seine Nebenmenschen glücklich und froh zu machen.

Dies zugrunde gelegt, kommen wir zum Thema ungeschriebene Gesetze. „Was sind die denn?“, wird sich so mancher fragen, Gesetze gehören doch ins Gesetzbuch zusammen mit vielen Paragraphen. Es gibt sie aber tatsächlich und jeder sollte sie kennen, da ihre Einhaltung von jedem erwartet wird.

Die Erwartungshaltung haben wir „im Gefühl“. Missachtet jemand diese Regeln, hat das oft unangenehme Folgen. Es können unerklärliche Abwehrreaktionen und sogar Aggressionen entstehen. Es geht zunächst einmal um den Abstand, den wir gegenüber Menschen wahren sollten, die wir noch nicht gut kennen. Hier geht es um den Raum, den ein Mensch für sich beansprucht als wäre es die Erweiterung seines Körpers.

Sein Territorium kann auch das Haus, das Zimmer, der Lieblingssessel, der Platz am Tisch, das Auto oder sein Arbeitsplatz sein. Vorsicht bei Berührungen, die über einen kurzen Händedruck hinausgehen. Schauen Sie Ihr Gegenüber an, aber starren Sie nicht. Höflicher Umgang miteinander ist mehr als wichtig. Es geht darum, bei den Mitmenschen besser „anzukommen“ und die berufliche Karriereleiter hinauf zu steigen, aber es geht vor allem darum, dass man sich wohlfühlt. Natürlich können Sie bei allen Fragen bezüglich gutem Benehmen Bücher, Internet oder gar Fernsehen zu Rate ziehen, ja sogar Benimmkurse absolvieren, aber fragen Sie doch einfach mal Ihr Herz: „Was würde mir guttun?“.

Ein persisches Sprichwort lautet: „Höflichkeit ist ein Kapital, das den reicher macht, der es ausgibt.“ Man sollte unseren Kindern Manieren und Benehmen mit auf den Weg geben, um ihnen das Leben einfacher zu machen. Sie werden durch das soziale Umfeld geprägt.

Als Vorbild spielt das Verhalten der Eltern, Lehrer und Erwachsenen eine große Rolle. Hier lernen sie Respekt vor anderen, eine gepflegte und angemessene Umgangssprache, den korrekten Umgang mit Konflikten, die Anrede und das Grüßen von Freunden und Fremden und vor allem das Leben mit und nach Regeln und den ungeschriebenen Gesetzen.

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Astrid Nastasi

Autorin:
Astrid Nastasi arbeitet seit 1981 als Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Familienrecht, seit 1996 als Fachanwältin für Arbeitsrecht.
http://www.rae-nastasi-wrede.de

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