Eine Mutter scherzt mit ihren zwei Kindern
Warum das Mediengespräch gesund machen kann

20.07.2022

Foto: © Anja Greiner Adam – stock.adobe.com

„Jetzt leg doch mal das Daddelding weg!“ – wer kennt ihn nicht, diesen Satz, die darauffolgenden Diskussionen und Empörungswellen sowieso. Dabei stellt sich die Frage: Warum machen die das, wo doch übermäßiger Handykonsum* durchaus schädlich ist?

Digitale Demenz, Cyberkrank, Burn-out-Kids – die Liste möglicher Krankheitssymptome klingt beängstigend. Hinzu kommen Kurzsichtigkeit, Kopf-, Schulter-, und Rückenschmerzen, ganz zu schweigen von Bewegungsmangel und der Gefahr von Adipositas. Ganz klar: Der Körper signalisiert immer zuerst eine Überforderung, reagiert mit Schmerzen, damit Geist und Seele endlich aufwachen und merken: Da stimmt was nicht, da muss ich etwas tun.

Jetzt kann man entsprechend auf die Symptome reagieren: Online-Nutzungszeiten vereinbaren, Bildschirmzeit beschränken, entsprechende Apps installieren, die den Medienkonsum regulieren, Schmerzmittel nehmen und zur Krankengymnastik gehen.

Die sinnvollere Gesundheitsmaßnahme liegt jedoch im Nachdenken über das eigene Mediennutzungsverhalten. Schließlich gilt es, einen selbstbestimmten und verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu finden, egal in welchem Alter. Im gemeinsamen Mediengespräch lässt sich dies gut reflektieren und voneinander lernen. Oft sind Kinder im Umgang mit Apps vertrauter, während sie Inhalte nicht adäquat einordnen können. Vielleicht können Eltern wiederum Eindrücke von Filmen und Serien aus der eigenen Kindheit mit denen von heute in Verbindung bringen und Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufspüren.

Zu einem gesunden Mediennutzungsverhalten gehört vor allem auch die Frage: Was brauche ich? Denn in einer Leistungsgesellschaft, in der viele Menschen emotional unterernährt sind und sich nach Abenteuer sehnen, bedienen die medialen Welten Sehnsüchte und Bedürfnisse. Erfüllen sich diese in der realen Welt, bin ich weniger abhängig von fiktiven Ereignissen. Habe ich ein Gespür für meinen Körper und meine Gefühle, entwickele ich ein gutes Selbstwertgefühl für eine stabile psychische Gesundheit. Und das wiederum macht mich frei und unabhängig von Süchten jeder Art.

*Hand aufs Herz: Wir Erwachsenen sind auch nicht besser!

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Ilona Einwohlt

Autorin:
Ilona Einwohlt ist Autorin und Bildungsreferentin beim MuK (Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen e.V.) mit den  Schwerpunkthemen Kinder- und Jugendkultur, digitale Lebenswelten und Mädchenbildung.
www.muk-hessen.de

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