Man sieht Kinder die nach unterschiedlichen Berufsgruppen verkleidet sind.

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Was Kinder über Berufe denken

von Yvonne Antoni – 22.05.2024

„Wenn ich groß bin, werde ich mal Feuerwehrmann. Und ich möchte Polizistin werden.“ Was sich anhört wie die Lieblingsberufe aus unserer Kindheit, sind doch tatsächlich die meistgenannten Antworten auf unsere Frage „Was willst du werden, wenn du groß bist?“

Dafür hatten wir eine kleine Umfrage auf unserer Website gestartet, Kitas angeschrieben und uns bei den Freunden unserer Kinder umgehört.

Die wenigsten möchten Influencer oder Youtuber werden, was aber auch am Alter der Befragten (3-12 Jahre) liegen kann. Die ungewöhnlichsten Wünsche waren Eisdielerin, Schokoladenfabrikbesitzerin und Paläontologe. Auch wenn unsere Umfrage nicht repräsentativ ist, so deckt sie sich doch mit anderen statistischen Erhebungen. 

Viele Kinder möchten sich für andere einsetzen. „Mein Wunsch ist, die Welt zu bereisen und Menschen und Tieren zu helfen“, sagt die elfjährige Rana aus Hanau. Und der Sohn unserer Kollegin Susanne wollte als Kind zunächst eine Ausbildung zum Kriminologen/Profiler machen und danach als Internationaler Vermittler zur UN. Diesen Berufsweg hat er nun auch erfolgreich eingeschlagen.

„Was machst du eigentlich wirklich?“
Vor allem kleine Kinder haben oft Vorstellungen von Berufen, die von ihren eigenen Erfahrungen, Beobachtungen und Fantasien geprägt sind. So denken sie beispielsweise, dass Feuerwehrleute den ganzen Tag lang Feuer löschen und Katzen von Bäumen retten. Oder sie gehen davon aus, dass Polizisten den ganzen Tag Verbrecher fangen.

Unsere Layout-Kollegin Meike wollte Künstlerin werden. Sie wollte etwas machen, bei dem sie am besten den ganzen Tag malen und basteln kann. „Als ich in der Grundschule war, dachte ich, dass nur Künstler so ‚arbeiten‘.“

Was konkret ihre Eltern jobmäßig machen, kann für Kinder manchmal schwer zu verstehen sein. So entwickeln sie ihre eigene Interpretation der Arbeitswelt ihrer Eltern. Gerade bei „Bürojobs“ ist es für Kinder nicht greifbar, was Mama oder Papa den ganzen Tag am Computer machen, oder warum sie häufig telefonieren.

Es ist deshalb eine gute Idee, mit Kindern über ihren Job zu sprechen. Eltern sollten ihre Arbeit erklären, Geschichten dazu erzählen und Kinder ermutigen, Fragen dazu zu stellen.

In manchen Schulen, beispielsweise bei meiner Tochter, gibt es deshalb Aktionstage, an denen Eltern aus ihrer Berufswelt berichten und auch Projektwochen, in denen sie durch Mitmachangebote in einen Beruf reinschnuppern können. So hat zum Beispiel eine Biologin ein Bienenhotel mit den Kindern gebaut.

In Zeiten des Fachkräftemangels wäre es sinnvoll, Berufe frühzeitig in Kindergärten und Schulen vorzustellen. Kurzbesuche für konkrete Einblicke helfen, auch die Handwerks-, Dienstleistungs- und sozialen Berufe wieder interessanter zu machen. Bestimmt gäbe es viele Kinder, die mit Begeisterung in Praxis-Schnupperkursen Spaß am Mauern, Tapezieren und Streichen, beim Arbeiten auf dem Bauernhof, in der Gärtnerei oder bei der Tierpflege hätten.

Begabungen von Kindern fördern?!
Wir haben im Kolleginnenkreis darüber gesprochen, ob und wie man versuchen soll, die Talente seines Kindes hinsichtlich eines späteren Berufs zu entdecken und zu fördern. Einig sind sich alle in der Einschätzung, dass Berufswünsche von Kindern altersabhängig sind und man sich deshalb auch nicht so sehr auf eine Sache „versteifen“ sollte. „Ich bin der Meinung, dass sich Talente von allein herausstellen und man den Kindern weiterhelfen kann, indem man ihnen die Möglichkeit verschafft, sich in dem jeweiligen Bereich zu entfalten und weiterzuentwickeln (durch Kurse, Unterricht, Materialien…). Ein kleiner Schubser bei mangelnder Motivation schadet nicht, aber wenn zu viel Zwang und Druck von den Eltern kommt, wirkt das eher kontraproduktiv.

Das, was einem liegt, fällt einem auch leicht und man ist schnell mit Spaß bei der Sache. Ich würde mir sehr wünschen, dass meine Kinder später ihre Talente und Leidenschaften mit ihrem Beruf vereinen können und somit die Arbeit eher der Ausübung des geliebten Hobbys gleicht“, meint Katha.

Meike ergänzt: „Wenn man ganz bestimmte Interessen hat, gibt es in unserer Region eigentlich für alles die passende Schule oder Ausbildung. Wir haben im und um das Rhein-Main-Gebiet das große Glück, dass man sehr vieles in der Nähe hat.“

Janika ist der Meinung, dass man den Kindern das nötige Wissen schon altersgemäß mitgeben sollte, zum Beispiel über Bücher oder Videos zu dem Beruf. Eine Idee dazu wäre, jemanden, den man kennt und der in dem Beruf arbeitet, für den sich das Kind interessiert, anzusprechen, dass er einmal etwas dazu erzählen kann, oder, falls möglich, das Kind zum Reinschnuppern mit auf die Arbeit nimmt.

Katrin appelliert an die Eltern, das Potenzial der Kinder vorurteilsfrei zu sehen. Bei kleineren Kindern sollte man beobachten, was sie gut können und womit sie sich länger beschäftigen. Auf diese Weise kann man ihnen dann neue Anregungen und Impulse geben, um vielleicht noch ungeahnte Talente zu entdecken.

Auch Jasmin vertritt den Standpunkt, dass man den Kindern keine Hobbys aufzuzwingen, sondern ihre eigenen Interessen akzeptieren und ihr Selbstvertrauen stärken soll. „Jedes Kind entwickelt sich individuell, und es ist eher unwahrscheinlich, dass im Kleinkindalter bereits ein konkreter Berufswunsch besteht. Vielmehr deutet sich eine allgemeine Richtung an, ob die Kinder sich eher in kreative oder wissenschaftliche Bereiche hingezogen fühlen. Man sollte ihnen Raum geben, sich auszuprobieren, und sie stets ermutigen, ihre Träume zu verfolgen.“

Hier ein paar Tipps, wie ihr die Fähigkeiten eurer Kinder entdecken und fördern könnt:
• Achtet darauf, was euer Kind gerne macht und wofür es sich begeistert.
• Hört ihnen zu und sprecht regelmäßig mit ihnen über ihre Interessen. Fragt, was sie gerne machen, welche Bücher sie lesen, welche Spiele sie bevorzugen und warum.
• Erlaubt ihnen, Verschiedenes auszuprobieren. Ganz egal, ob es sich um Kunst, Musik, Sport, Naturwissenschaften oder Sprachen handelt.
• Besucht gemeinsam Museen, Konzerte, Theateraufführungen oder andere kulturelle Veranstaltungen.
• Die Teilnahme an Schul-AGs wie Theaterstücken, Wissenschaftsprojekten, Sportveranstaltungen oder Musikgruppen erweitert ihren Horizont.
• Organisiert Schnuppertage in Handwerksbetrieben und Unternehmen oder geht mit ihnen zu Info-Veranstaltungen, um ihnen Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu ermöglichen.
• Zeigt den Kindern, was es für spannende Workshops und Kurse gibt, in denen ihnen handwerkliche, technische oder andere Fähigkeiten vermittelt werden.
• Begleitet sie auf dem Weg zur Berufsfindung, ohne sie jedoch in eine bestimmte Richtung zu drängen.

Hier findet ihr die Ergebnisse unserer Umfrage.

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