Man sieht eine gestresste Mutter und im Hintergrund den Vater mit dem Baby

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Alles Gute für das Wochenbett

von Yvonne Antoni – 29.03.2023

Wochenbett – das hört sich so gemütlich an. Es klingt nach Geborgenheit, frau stellt sich vor, sich nach der Geburt auszuruhen, sich ganz dem Baby zu widmen und dabei von lieben Menschen umsorgt zu werden. Klar wissen wir, dass es anstrengend werden wird. Aber vor lauter Geburtsvorbereitung kommt das Danach oft zu kurz.Was ist eigentlich das Wochenbett?

Das sind die ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt und umfasst somit den gesamten Mutterschutz. Viele Hebammen empfehlen, sich auch wirklich viel Zeit für sich und das Baby zu nehmen. Das ist auch gut so, denn der Körper und auch die Seele benötigen nach einer Geburt viel Ruhe.

Die Frühwochenbett-Phase dauert von der Geburt an zehn Tage. Diese erste Zeit ist wichtig, um eine feste Bindung zum Baby aufzubauen. Außerdem beginnen die Rückbildung und die Heilungsphase der Geburtsverletzungen wie Dammschnitt oder Kaiserschnitt-Wunde. Wegen der Blutungen und der Schwächung des Beckenbodens sollte in den ersten sechs Wochen auf körperlich anstrengende Tätigkeiten verzichtet werden.

Auch das Stillen gelingt nicht immer sofort und benötigt oftmals Zeit und Unterstützung. Bei mir zum Beispiel war es so, dass es tagsüber in den ersten Tagen im Krankenhaus überhaupt nicht geklappt hat – da war einfach zu viel Trubel. Erst die Nachthebamme konnte mir mit viel Geduld helfen.

Unterstützung von Hebammen
„Mein erster Gedanke, wenn ich Wochenbett höre: Man muss sich in jedem Fall rechtzeitig um eine Hebammennachsorge kümmern, auch beim zweiten, dritten oder vierten Kind. Es kommen doch immer wieder Fragen auf, an die man zuvor nicht denkt. Oder es kommt zu Situationen, die man zuvor nicht einschätzen konnte, wie beispielsweise Krankheit im Wochenbett. Da ist es immer gut, wenn man rund um die Uhr eine Hebamme anrufen kann, wenn man unsicher ist. Und wenn man das nicht braucht, so kann man jede Hebammennachsorge auch vorzeitig beenden.“ (Christiane, drei Kinder)

In den ersten zehn Tagen haben Mütter Anspruch auf täglich ein bis zwei Besuche. Bis das Kind zwölf Wochen alt ist, hat man nochmal Anspruch auf weitere 16 Hebammen-Besuche. Bei Stillschwierigkeiten und Ernährungsproblemen kann die Hebamme darüber hinaus noch acht Mal kontaktiert werden, so auch durch Telefonberatung. Wenn der Arzt es verschreibt, sind weitere Besuche möglich.

Hebammen sind einfach unersetzlich, wenn es um die Zeit nach der Geburt mit ihren großen Veränderungen geht. Ihre Aufgaben sind dabei sehr vielfältig: Sie schauen danach, wie es der Mama sowohl psychisch als auch körperlich geht. Sie überprüfen Rückbildung, Wundheilung und Wochenfluss und unterstützen beim Stillen.

Beim Baby überwachen sie das Wachstum, die Abheilung des Nabels und die allgemeine Entwicklung. Außerdem geben sie Tipps zur Baby-Pflege und informieren über Dinge wie Flaschenernährung oder Sex und Verhütung.

Ich kann mich noch sehr gut an die Hebammenbesuche nach der Geburt unserer Tochter erinnern. Sie waren das Highlight des Tages. Mein Mann und ich hatten immer schon einen kleinen Notizzettel mit Fragen vorbereitet. Als Erstmama hatte ich so viele davon! Und es war immer so beruhigend, mit ihr zu sprechen. Auch zum Beispiel zum Thema Co-Sleeping, bei dem sich ja die Geister scheiden.

Die emotionale Unterstützung ist deshalb fast genauso unverzichtbar wie die praktische. Denn oft sind die Hormone durcheinander, die Gefühle fahren Achterbahn. Gerade beim ersten Kind fühlen sich viele überfordert von den vielen neuen Aufgaben und der unglaublichen Verantwortung. Auch einen Baby-Blues können erfahrene Hebammen gut erkennen und, falls es zu einer Wochenbett-Depression kommt, Hilfe holen.

„Was ich aus meiner Wochenbett-Zeit nie vergessen werde, ist das wahnsinnige Feingefühl meiner wundervollen Nachsorge-Hebamme Conny. Mein Mann und ich freuten uns tagtäglich sehr auf ihren Besuch, weil sie auf all unsere vielen Fragen Antworten hatte und uns immer so ein gutes Gefühl gab. Am 3. oder 4. Tag nahm sie mich einfach in den Arm, ohne Vorwarnung, und plötzlich fing ich an zu heulen wie ein kleines Kind. Das waren die Hormone, erklärte Conny mir. Sie wusste einfach ganz genau, wie es mir ging und wie ich empfand, und mit ihrer Geste hatte sie mir in diesem Moment so sehr geholfen. Die Wochenbett-Zeit ist verrückt und intensiv, deshalb ist es wichtig, nicht allein zu sein! Holt euch für diese besondere Zeit professionelle Hilfe, ob durch eine Hebamme, Doula, Mütterpflegerin oder eines Coaches auf diesem Gebiet!“ (Louise, ein Mädchen, ein Junge)

In den letzten Jahren ist es auch in Deutschland populär geworden, sich Unterstützung von Doulas zu holen. Sie haben, anders als Hebammen, keine nichtmedizinische Ausbildung und können auch kein medizinisches Personal ersetzen, begleiten werdende Mütter aber ebenso durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Eine Doula muss selbst schon ein Kind geboren haben, mindestens 25 Jahre alt sein und eine spezielle Ausbildung haben. Gut zu wissen: Die Kosten für eine Doula werden nicht von der Krankenkasse übernommen.

Der Trend kam vor knapp zehn Jahren aus den USA, wo Hebammen Mangelware sind. Auch bei uns gibt es diesbezüglich Engpässe. Ein positives Signal war deshalb der Beschluss des Bundestags Ende 2022, die Finanzierung der Hebammen in der klinischen Geburtshilfe langfristig zu sichern.

Was uns keiner gesagt hat
Klar wissen wir, dass es mit einem Neugeborenen anstrengend werden wird. Aber keine Erstmama weiß so richtig, was sie erwartet. Aber hey, warum habt ihr uns das vorher nicht erzählt? Mir ging es auch so. Klar tauscht man sich mit anderen Mamas aus, wenn es um die Erstausstattung, das Stillen oder Schlafen geht. Aber was zum Beispiel mit dem eigenen Körper passiert, gehört zu den Sachen, von denen mir keine Freundin erzählt hat. So war ich total überrascht, wie stark und lang andauernd der Wochenfluss bei mir war.

Das Wochenbett ist die Zeit der Rückbildung. Nicht nur die Gebärmutter wurde extrem beansprucht, auch der Damm und bei einem Kaiserschnitt die Bauchnarbe müssen heilen. Wir haben in dieser Zeit mit Schmerzen und eventuell weiteren Beschwerden zu kämpfen. Auch können uns Verstopfung, Probleme und Schmerzen beim Stuhlgang oder einer Blasenschwäche zu schaffen machen. Der Wochenfluss, der zwischen vier bis sechs Wochen dauert, kann eine weitere Belastung sein. Dazu kommen Gefühle von Überforderung, mögliche Stillprobleme und das Hormonchaos – das Wochenbett ist also nicht immer rosig. Damit ihr aber gut durch die Zeit kommt, haben wir ein paar Tipps für euch.

Nehmt Hilfe und Unterstützung an!
Das Wochenbett ist die Zeit des Kennenlernens, zum Krafttanken und, wenn es Geschwister gibt, sich als Familie neu zu finden.

„Ich war in den ersten Wochen ziemlich allein und fand diese Neugeborenenphase im Nachhinein alles andere als toll. Mein Mann hatte sich keinen Urlaub genommen, Hilfe von meinen Eltern oder Schwiegereltern wollte ich nicht so richtig – frau ist ja auch sonst selbstständig und kann alles allein. Den Gedanken sollte man aber dringend abschütteln und jede Hilfe annehmen: Sei es beim Haushalt, mal bei einer Mütze Schlaf zwischendurch, weil man nächtelang nicht durchgeschlafen hat, oder einfach nur für ein Gespräch mit einem Freund, um was anderes als das Thema ‚Baby‘ zu haben.“ (Nico, ein Sohn)

Das Essen ist in bei allen Familien ein großes Thema: „Wenn Mama gar nicht kann, wie zum Beispiel nach der operativen Geburt, kleine Kinder zu versorgen sind, der Partner wieder arbeiten geht, wird es schwierig mit ausgewogenem Essen, dann geht es mehr um Schnelligkeit. Genug Obst und Rohkost zu Hause haben kann hier sehr hilfreich sein. Essen in großen Mengen kochen wie zum Beispiel Eintöpfe oder Suppen und davon einen Teil einfrieren, damit man auf die Schnelle mal was zu essen hat, ist ebenfalls Gold wert. Wir haben nach der Geburt von Kind vier einen Cateringservice in Anspruch genommen. Wir hatten dann bei der ersten Lieferung auch frische Dinge dabei, die wir direkt gegessen haben, sowie Gerichte, die zum Einfrieren geeignet waren“.
(Katharina, vier Kinder)

Hilfe! Die Verwandtschaft kommt.
Er ist unvermeidlich: Der Wochenbettbesuch. Irgendwann möchten Großeltern, Verwandte und Freunde den Nachwuchs kennenlernen. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt, und wie kann man den Besuch so gestalten, dass es für Mama und Baby nicht zu stressig wird? In erster Linie sollte man sich nicht unter Druck setzen lassen. Wichtig ist, sich als kleine Familie zu finden, und da kann man auch mal sagen, dass es jetzt gerade nicht passt. „Ich hatte Freundinnen, die kamen richtig in Stress wegen der Wochenbett-Besuche. Sauber machen, Essen, Kaffee und Kuchen vorbereiten. Ich hätte mir den Quatsch nicht aufbinden lassen. Wer kommen möchte, kann kommen. Dann, wenn es mir passt und so lange ich das möchte, und wenn er/sie Kuchen möchte, kann gerne welcher mitgebracht werden.

Vielleicht wäre dabei auch ein Appell an die Großeltern interessant: Meine Mutter hat sich zum Beispiel sehr zurück genommen und mich entscheiden lassen. Sie hat mich aber mit Essen versorgt. Sie hat mir auch nie gesagt, wie ich etwas zu tun habe, stand mir aber immer zur Seite, wenn ich Fragen hatte oder ihre Rückmeldung brauchte. Das rechne ich ihr sehr hoch an.“ (Julia, zwei Mädchen)

Die Besucher sollten etwas zu essen (Kuchen, Kekse, Obst, Brot) mitbringen, so dass sich die frisch gebackene Familie nicht darum kümmern muss. Auch kommt es gut an, Hilfe anzubieten, nicht zu lange bleiben und ungefragt Ratschläge zu geben oder darauf zu bestehen, das Baby halten zu dürfen. „Frauen bzw. frisch gewordene Eltern sollten mehr für sich einstehen und ganz klar ihre Bedürfnisse kommunizieren dürfen, ohne in der eigenen Familie jemanden vor den Kopf zu stoßen. Ich habe es immer und immer wieder gehört und in kleinen Teilen auch selbst erlebt, dass die Erwartungshaltungen so enorm sind. Wenn man weder Besuch in der Klinik noch in den ersten Tagen/Wochen zuhause wünscht, sollten das alle respektieren. Und auch sonst müssen Mütter erstmal in diese Aufgabe hineinwachsen. Man hat ein hormonelles Chaos, Babyblues, Schlafmangel, evtl. schmerzende Brüste usw. Da kann ein anstehender Besuch schnell überfordern.“ (Jasmin, zwei Söhne)

Infos und Quellen:
www.hebammenverband.de
www.eltern.de
www.apotheken-umschau.de
www.doulas-in-deutschland.de

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